Roadtrips durch Donegal – Zwischen Regen, Wind und Guinness.

Jan. 17, 2026 | Fernweh

Zwei Roadtrips durch Donegal: von Ardara über den Glengesh Pass nach Killybegs und mit dem E-Bike auf Aranmore Island – Notizen aus Irland zwischen Regen, Wind und Freundschaft.

Eigentlich fühle ich mich im Obervinschgau, bei uns in Mals und in der FinKa, pudelwohl. Und doch zieht es mich jedes Jahr im Herbst in die Ferne. Heuer wieder nach Irland. Für zwei Wochen ging es in den Norden, nach Ardara in Donegal. Danach – so der Plan –weitere nach Achill Island. Und Zum Abschluss für einige Tage nach Clifden, Connemara.

Meine Reise führt mich also zuerst nach Donegal – in diese unwirtliche, raue, vom Atlantik gezeichnete Landschaft. Wilde, zerklüfteten Küstenstreifen, die Bergen im Rücken und dazwischen endlosen Torf- und Hochmooren. Kaum Ackerland, viel Wind  und mit Sicherheit mehr Schafe als Menschen.

Das „Forgotten County“

Man nennt Donegal wegen seiner Abgelegenheit das „Forgotten County“. Die dramatische Geschichte Irlands – geprägt von Armut, Hungersnöten und Unterdrückung – hat hier tiefe Spuren hinterlassen. Vielleicht sogar tiefere als anderswo. Nicht zuletzt, weil Donegal durch die Grenze zu Nordirland lange Zeit fast vom Rest der Republik abgeschnitten war.

Abwanderung und Migration haben ganze Landstriche entleert. Und doch ist was geblieben: die Kraft des Nordens. Eine lebendige Gaeltacht-Kultur mit irischer Sprache, alte Mythen und Geschichten, die heute in Balladen weitergetragen werden. Und natürlich der berühmte Donegal Tweed aus Ardara.

Ardara „Heritage Town of Tweed“

Ardara trägt offiziell den Titel Heritage Town of Tweed – und das völlig zu Recht. Ardara ist das Zentrum der Tweedherstellung. In Zeiten großer Armut war Tweed hier Lebensgrundlage, heute ist er Kulturgut und Stolz der Region. Bereits im 19. Jahrhundert war der Ort für seine Weberfamilien bekannt, besonders während der industriellen Revolution, als Kaufleute aus London und Dublin begannen, die Stoffe in alle Welt zu exportieren.

Das bekannteste Haus vor Ort ist Triona Design, ein Familienbetrieb in fünfter Generation, der bis heute auf alten Webstühlen produziert. Kein Showroom-Folklore, sondern gelebtes Handwerk.

Donegal Tweed erkennt man am typischen heathered effect, kleine eingearbeitete Farbnoppen, die den Stoff lebendig wirken lassen. Wie eine gewebte Landschaft, in der sich die Farben Donegals spiegeln: Moor, Fels, Gras, Himmel.

Ardara ist für die nächsten zwei Wochen mein Basecamp. Und den Wetterverhältnissen entsprechend habe ich mich eingekleidet: eine Jacke aus Donegal Tweed, dazu ein paar traditionelle Grandfather Hemden, kragenlos, aus grob gewebtem Flachs, wie sie hier seit Generationen getragen werden. Und ich muss sagen: Mit diesem neuen Look kann ich mich auch bei uns im Obervinschgau gut und gern sehen lassen.

Ardara ist ein guter Ort zum Ankommen. Aber auch ein guter Ausgangspunkt, um Donegal entlang schmaler Straßen zu erkunden – über die Pässe, hinunter zum Atlantik oder hinaus zu den Inseln.

On The Road Again

Ein verrostetes altes Auto am Wegrand irgendwo in Donegal.

Daher nehme ich euch nun mit auf zwei Roadtrips durch Donegal:

Der erste führt über den Glengesh Pass Richtung Killybegs – durch eine Hochebene aus endlosen Torfmooren. Unterwegs stoßen wir auf die Geschichte eines Dorfpfarrers, ebenso beeindruckend wie die höchsten Klippen Europas, die man auf diesem Roadtrip nicht verpassen darf. Roadtrip #1: Von Ardara nach Killybegs (weiter lesen)

Und der zweite Roadtrip führte  mich hinaus auf den Atlantik, auf die Insel Aranmore Island (Árainn Mhór). Bewältigt wird er mit dem E-Bike – ganz ohne Auto und ohne gefährliche Verkehrssituationen. Vielleicht war es gerade diese langsamere Art der Fortbewegung, die mich zu einigen philosophischen Gedanken über die Einmaligkeit von Inseln und über Freundschaft bewegte. Gleichzeitig hatte ich es auch mit ganz irdischen Problemen und den Tücken der E-Mobilität zu tun. Diesen ließ sich leider keine tiefere Bedeutung abringen. Roadtrip #2: Aranmore Island (Árainn Mhór) – Insel der Freundschaft

May the road rise to meet you – Möge der Weg dich deinem Ziel entgegentragen
– Irisches Sprichtwort –

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