Von der Kaserne zum Hostel: Wie aus Beton und Bürokratie die FinKa wurde.

Stell dir vor, du betrittst ein Gebäude, das jahrzehntelang der Staat bewohnt hat – mit all der Charmlosigkeit, die das so mit sich bringt. Graue Wände, Linoleumböden, Neonlicht. Die Finanzkaserne in Mals war kein Ort, der einem das Herz öffnete. Und genau das machte sie zu einem perfekten Rohdiamanten.
Gebaut wurde die Kaserne 1968 – das Jahr, in dem anderswo Studenten auf die Barrikaden gingen und die Beatles das White Album aufnahmen. In Mals hingegen setzte man einen Spatenstich für ein schnörkelloses Zweckgebäude am Rande des Dorfes. Für die Guardia di Finanza, Italiens Zoll- und Finanzpolizei, war es ein funktionaler Stützpunkt im Vinschgau – strategisch günstig, nahe der Grenze zu Österreich und zur Schweiz. Jahrzehnte lang kontrollierten von hier aus Beamte Pässe, spürten Schmugglern nach und verwalteten den kleinen Grenzverkehr, der das Tal am Laufen hielt.
Und dann kam der Moment, in dem die Geschichte die Richtung wechselte. Die Guardia di Finanza zog ab, die Kaserne stand leer, und das Gebäude begann langsam, in sich selbst zu versinken. Leerstände haben so eine Art, Gebäude zu fressen. Wer jemals durch einen verlassenen Flur gelaufen ist, in dem das Echo der eigenen Schritte lauter klingt als erwartet, weiß, wovon ich rede.
Genau in diesem Moment – als Plan A, nämlich das Gebäude einem anderen institutionellen Zweck zuzuführen, endgültig kippte – katapultierte sich unser Plan B mit voller Kraft in die Sphäre des Möglichen. Juliane und ich, bewaffnet mit Studienabschlüssen in Politik und Philosophie und einem nur theoretischen Verständnis davon, wie man ein Unternehmen führt, sahen in der alten Kaserne etwas, das andere vielleicht übersehen hatten: Potential. Das klingt jetzt nach Immobilienmakler-Sprech, war aber in Wirklichkeit eine Mischung aus echtem Idealismus und einem ordentlichen Schuss Naivität.<br><br>Die Idee war so einfach wie komplex in der Umsetzung: Die Kaserne ins neue Jahrtausend retten, ihr wieder Leben einhauchen, und daraus einen Ort machen, der Reisende aus aller Welt mit dem Vinschgau verbindet. Kein Luxushotel, kein museales Denkmal – sondern ein Hostel. Eines, das Vergangenheit und Zukunft in ungezwungener Weise miteinander verbindet.
Das FinKa – der Name ist eine direkte Verbeugung vor der Geschichte, Finanzkaserne eben, abgekürzt und etwas leichter auf der Zunge – trägt diese Herkunft bis heute sichtbar in sich. Wer genau hinschaut, findet überall Spuren: in der Struktur der Räume, in den Grundmauern, die nach wie vor die Haltung eines Zweckgebäudes haben, aber jetzt mit Leben gefüllt sind, das niemand eingeplant hatte. Reisende aus Südamerika, Radfahrer auf dem Vinschgauer Radweg, Bergsteiger mit Karten auf dem Frühstückstisch, Familien aus den Niederlanden – die Kaserne, die einst der Abschottung diente, ist heute das genaue Gegenteil davon.
Es gibt Orte, die man betritt und sofort vergisst. Und dann gibt es Orte, die einem im Gedächtnis bleiben, weil man nicht genau sagen kann, warum man sich dort so wohlfühlt. Das FinKa, so hoffen wir jedenfalls, gehört zur zweiten Kategorie. Nicht wegen der Ausstattung oder wegen irgendeines besonderen Service – sondern weil ein Gebäude, das schon so viel Geschichte in sich trägt, automatisch Geschichten anzieht. Das war letztlich auch der ganze Plan.
FinKa erleben!
📩 Reservierung und Zimmerbuchung: info@finka.it
📞 Telefon: +39 0473 427040
🌐 www.finka.it
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